Jorgosh war fast am Ziel, dachte er zumindest. „Fast.“ Seine Suche nach dem Schatz hatte ihn in nordwestliche Richtung geführt, und er hatte die Lande der Wächter der Unterwelt betreten. Dank gut ausgebauter Gebirgsstraßen - selbstverständlich bei einem Zwergenvolk - war er mit seinem Wagengespann schnell vorangekommen und musste einen großen See halb umrunden, so las er es jedenfalls aus seiner Schatzkarte.
„Aber wie komme ich da rüber?“ Er stand nun mit seinem Wagen am Ende der Straße in Feuerschlund, und blickte geradewegs in einen solchen - ein tiefer Einschnitt, und dahinter das ersehnte Ziel. Weiterfahren konnte er nicht mehr. „Vielleicht nur mit einem Pferd?“
Ein Plan reifte in ihm - er könnte den Wagen hier zurücklassen und mit einem Pferd, vorsichtig zu Fuß, diese Klamm hinabsteigen. Ein Packpferd zumindest würde er sicher brauchen, hatte er einmal den Schatz gefunden.
1. Sillonfurter Schatzsuche
1. Sillonfurter Schatzsuche - Reddora Felsenspringer
Bei aller Liebe zum schnellen Reisen, die letzten Wochen hatten wahrlich an ihren Kräften gezehrt und auch ihren Tribut gefordert. Zuerst war ihre Route nordwärts verlaufen, Hochländer, Berge, Gletscher, ein traumhafter Ausblick, kühler, schneidiger Fahrtwind und gutes zwergisches Straßennetz, was wollte man mehr. Doch dann führte der Weg in dünner besiedelte Regionen, kaum Leute geschweige denn Straßen. Und dann kam die Küste in Sicht. Ebenen, Wälder, Menschensstädte.
Die Thoregonen waren freundlich, man kannte sich als Nachbarn und offensichtlich hatten viele von der Schatzsuche gehört. Bei den Kontrollposten wurde sie stets durchgewunken, nur einmal musste sie den Passierschein vorzeigen. Schnell stellte sich heraus, dass dies nicht aus Misstrauen oder Pflichtbewusstsein geschah, sondern schlichtweg aus Neugierde. Jeder der 17 anwesenden Wächter am Kontrollpunkt "musste" den Passierschein genauestens inspizieren, bevor sie ihn nach einer gefühlten Ewigkeit wieder ausgehändigt bekam. Irgendwie verständlich, ein Dokument mit so vielen Herrschersiegeln bekam man nicht alle Tage zu sehen, geschweige denn konnte man es als einfacher Bürger anfassen. Vor der Weiterreise gab es ein paar verhaltene Schulterklopfer und ein junger Wächter wollte ihr unbedingt die Hand schütteln. Sie wollten der "gegnerischen" Schatzsucherin wohl nicht offiziell Glück wünschen, doch Ronald Tekener, ihr eigener Schatzsucher, war nach Westen geritten und würde nicht in heimatliche Gefilde reisen. So war dies die beste und womöglich einzige Gelegenheit, live bei der großen Schatzsuche mitzufiebern.
Weiter ging es gen Norden, erst fielen ihr die feuchten Flecken auf den Wiesen nur unterbewusst auf, doch dann war es unübersehbar: Vor ihr lag ein Sumpf! Mehr als ein Fluch überkam Reddoras Lippen. Es gab doch wohl keine unwirtlichere Landschaft für einen Zwerg als Sümpfe. Kurze Beine und schwere Rüstung waren in so einer Umgebung ein echtes Handicap. Ganz davon zu schweigen, dass Zwerge ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Wasser hatten, Und dann der Schlamm! Wenn er sich in die Ösen des Kettenhemdes presste und die Scharniere der Rüstungen verklebte. Jeder Zwerg wusste, dass das stunden- nein tagelanges Putzen bedeutete.
"Das war ja sowas von klar" seufze sie nach einem Blick auf die Schatzkarte. Es bestand kein Zweifel daran, dass der Schatz in diesem Sumpf versteckt war.
Die Hinweise der Karte auf den genauen Standort des Schatzes waren leicht zu lesen. Zumindest für eine Zwerg und so dauerte es nicht lange bis sie eine Stelle fand, wo das geübte Zwergenauge noch Spuren von Grabarbeiten entdecken konnte. Eine halbe Stunde später machte es "Klonk" als ihr Spaten auf etwas Hartes traf. Wenig später hatte sie eine kleine Schatztruhe in Händen. Ein Schild mit der Aufschrift "1.Sillonfurter Schatzsuche" ließ keinen Zweifel daran, dass sie den richtigen Schatz gefunden hatte. Ein flüchtiger Blick hinein, voll mit Silber und Edelsteinen, und schon eilte sie zurück zu ihrem Wagen.
Überglücklich verzurrte sie die Kiste am Wagen. Es waren noch 2 Stunden bis Sonnenuntergang, sie hätte sich eine Rast mehr als verdient. Doch beflügelt von ihrem Fund, wollte sie bis zum letzten Tageslicht reisen, vielleicht schaffte sie es ja sogar heraus aus diesem elenden Sumpf. Der Gedanke an ein heißes, entspannendes Bad schoss ihr durch den Kopf. Schnell schob sie diesen Gedanken beiseite, Badeabstände kürzer als 2 Monate waren ungesund, das wusste jeder Zwerg.
Aus den Chroniken der Smaragdzwerge
Die Thoregonen waren freundlich, man kannte sich als Nachbarn und offensichtlich hatten viele von der Schatzsuche gehört. Bei den Kontrollposten wurde sie stets durchgewunken, nur einmal musste sie den Passierschein vorzeigen. Schnell stellte sich heraus, dass dies nicht aus Misstrauen oder Pflichtbewusstsein geschah, sondern schlichtweg aus Neugierde. Jeder der 17 anwesenden Wächter am Kontrollpunkt "musste" den Passierschein genauestens inspizieren, bevor sie ihn nach einer gefühlten Ewigkeit wieder ausgehändigt bekam. Irgendwie verständlich, ein Dokument mit so vielen Herrschersiegeln bekam man nicht alle Tage zu sehen, geschweige denn konnte man es als einfacher Bürger anfassen. Vor der Weiterreise gab es ein paar verhaltene Schulterklopfer und ein junger Wächter wollte ihr unbedingt die Hand schütteln. Sie wollten der "gegnerischen" Schatzsucherin wohl nicht offiziell Glück wünschen, doch Ronald Tekener, ihr eigener Schatzsucher, war nach Westen geritten und würde nicht in heimatliche Gefilde reisen. So war dies die beste und womöglich einzige Gelegenheit, live bei der großen Schatzsuche mitzufiebern.
Weiter ging es gen Norden, erst fielen ihr die feuchten Flecken auf den Wiesen nur unterbewusst auf, doch dann war es unübersehbar: Vor ihr lag ein Sumpf! Mehr als ein Fluch überkam Reddoras Lippen. Es gab doch wohl keine unwirtlichere Landschaft für einen Zwerg als Sümpfe. Kurze Beine und schwere Rüstung waren in so einer Umgebung ein echtes Handicap. Ganz davon zu schweigen, dass Zwerge ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Wasser hatten, Und dann der Schlamm! Wenn er sich in die Ösen des Kettenhemdes presste und die Scharniere der Rüstungen verklebte. Jeder Zwerg wusste, dass das stunden- nein tagelanges Putzen bedeutete.
"Das war ja sowas von klar" seufze sie nach einem Blick auf die Schatzkarte. Es bestand kein Zweifel daran, dass der Schatz in diesem Sumpf versteckt war.
Die Hinweise der Karte auf den genauen Standort des Schatzes waren leicht zu lesen. Zumindest für eine Zwerg und so dauerte es nicht lange bis sie eine Stelle fand, wo das geübte Zwergenauge noch Spuren von Grabarbeiten entdecken konnte. Eine halbe Stunde später machte es "Klonk" als ihr Spaten auf etwas Hartes traf. Wenig später hatte sie eine kleine Schatztruhe in Händen. Ein Schild mit der Aufschrift "1.Sillonfurter Schatzsuche" ließ keinen Zweifel daran, dass sie den richtigen Schatz gefunden hatte. Ein flüchtiger Blick hinein, voll mit Silber und Edelsteinen, und schon eilte sie zurück zu ihrem Wagen.
Überglücklich verzurrte sie die Kiste am Wagen. Es waren noch 2 Stunden bis Sonnenuntergang, sie hätte sich eine Rast mehr als verdient. Doch beflügelt von ihrem Fund, wollte sie bis zum letzten Tageslicht reisen, vielleicht schaffte sie es ja sogar heraus aus diesem elenden Sumpf. Der Gedanke an ein heißes, entspannendes Bad schoss ihr durch den Kopf. Schnell schob sie diesen Gedanken beiseite, Badeabstände kürzer als 2 Monate waren ungesund, das wusste jeder Zwerg.
Aus den Chroniken der Smaragdzwerge
Re: 1. Sillonfurter Schatzsuche
Neulich abends im dicken Dachs...
„Hört, hört, Bürger und Besucher von Sillonfurt!
Die Schatzsuche geht in den finalen Endspurt! Man hat zwei der Teilnehmer vor den Grenzen des Reiches in West und Nordost gesichtet! In Mayetona wurde der Rennwagen der Smaragdzwergin gesichtet, und von Westen nähert sich einer der anderen Wagen dem Sumpf. Um wen es sich handelt ist unklar, man sagt es sei einer der Zwerge.“
Ein Raunen ging durch die Grüppchen der Anwesenden. Einer der jüngeren Halblinge rief laut: „Hab ich doch gesagt, die Zwergin macht das Rennen! Hab ich's nicht gesagt!“ - Darauf eine andere: „Und noch vor dem Mittsommerfest!“
„Hört, hört, Bürger und Besucher von Sillonfurt!
Die Schatzsuche geht in den finalen Endspurt! Man hat zwei der Teilnehmer vor den Grenzen des Reiches in West und Nordost gesichtet! In Mayetona wurde der Rennwagen der Smaragdzwergin gesichtet, und von Westen nähert sich einer der anderen Wagen dem Sumpf. Um wen es sich handelt ist unklar, man sagt es sei einer der Zwerge.“
Ein Raunen ging durch die Grüppchen der Anwesenden. Einer der jüngeren Halblinge rief laut: „Hab ich doch gesagt, die Zwergin macht das Rennen! Hab ich's nicht gesagt!“ - Darauf eine andere: „Und noch vor dem Mittsommerfest!“
1. Sillonfurter Schatzsuche - Schatzsucher gesichtet
Gerva Rotbart saß nachmittags in der Schenke im Tor zur Unterwelt als der Gong ertönte. Es war kein Alarm, das erkannte man sofort, und doch verkündete er etwas Aufregendes. Alle in der Schenke sahen sich kurz an und machten sich schnurstracks auf den Weg nach draußen. Die Gerüchte schienen zu stimmen: einer der Schatzjäger würde durch die Stadt kommen.
Gerva ging zur Schank und da selbst der Wirt nach draußen gegangen war, ließ sie selbst etwas von dem wundervoll herben Apfelmost, den sie hier im Norden machten, in einen Krug, dann noch etwas Wasser dazu, aber auf keinen Fall zu voll, um später nichts zu verschütten.
Dann ging sie mit dem frisch gefüllten Krug nach draußen, wo sich in der kurzen Zeit eine beträchtliche Zuschauerzahl versammelt hatte. Die Stadtwachen hatten Mühe, die Straße freizuhalten, schließlich sollten der Schatzsucher ungehindert passieren können.
Gerva bahnte sich geschickt einen Weg durch die Menge, manch einer machte ihr bereitwillig Platz, es hatte seine Vorteile Botschafterin zu sein… und Vizemeisterin im Armdrücken...
Als Sie die erste Reihe erreicht hatte, konnte sie den heranbrausenden Wagen schon erkennen, ein Zwerg hielt die Zügel. So sie richtig informiert war, musste dies Jorgosh von Irrulin von den Erben der Sieben sein. Er sah durchaus ansehnlich aus, etwas drahtig für Gervas Geschmack, aber durchaus ansehnlich. Wenn er seine Stellung als Botschafter am Hofe Rogolans angetreten hatte, würde sie wohl auch mal wieder in der Heimat vorbeischauen und ihm einen Besuch abstatten. Rein aus kollegialem Interesse versteht sich.
Bei all diesen Gedanken, hätte sie fast ihren Einsatz verpasst. Schnell machte sie zwei Schritte vorwärts und hielt den frisch gefüllte n Krug weit in die Höhe, den Blick fest auf den Schatzsucher gerichtet. In Jorgoshs Augen blitze es kurz auf ob der unerwarteten Bewegung und möglichen Hindernisses, doch binnen eines Wimpernschlages hatte er ihre Absicht verstanden.
Mit einer Hand hielt er weiter die Zügel, mit der anderen griff er im Vorberifahren den Krug, reckte ihn in die Höhe und leerte in einem Zug, ohne die Fahrt auch nur einen Tick zu verlangsamen.
Gerva sah ihm nach „Von hinten sieht er noch schnuckeliger aus.“ grinste sie und ging zurück in die Taverne.
Aus den Chroniken der Smaragdzwerge
Gerva ging zur Schank und da selbst der Wirt nach draußen gegangen war, ließ sie selbst etwas von dem wundervoll herben Apfelmost, den sie hier im Norden machten, in einen Krug, dann noch etwas Wasser dazu, aber auf keinen Fall zu voll, um später nichts zu verschütten.
Dann ging sie mit dem frisch gefüllten Krug nach draußen, wo sich in der kurzen Zeit eine beträchtliche Zuschauerzahl versammelt hatte. Die Stadtwachen hatten Mühe, die Straße freizuhalten, schließlich sollten der Schatzsucher ungehindert passieren können.
Gerva bahnte sich geschickt einen Weg durch die Menge, manch einer machte ihr bereitwillig Platz, es hatte seine Vorteile Botschafterin zu sein… und Vizemeisterin im Armdrücken...
Als Sie die erste Reihe erreicht hatte, konnte sie den heranbrausenden Wagen schon erkennen, ein Zwerg hielt die Zügel. So sie richtig informiert war, musste dies Jorgosh von Irrulin von den Erben der Sieben sein. Er sah durchaus ansehnlich aus, etwas drahtig für Gervas Geschmack, aber durchaus ansehnlich. Wenn er seine Stellung als Botschafter am Hofe Rogolans angetreten hatte, würde sie wohl auch mal wieder in der Heimat vorbeischauen und ihm einen Besuch abstatten. Rein aus kollegialem Interesse versteht sich.
Bei all diesen Gedanken, hätte sie fast ihren Einsatz verpasst. Schnell machte sie zwei Schritte vorwärts und hielt den frisch gefüllte n Krug weit in die Höhe, den Blick fest auf den Schatzsucher gerichtet. In Jorgoshs Augen blitze es kurz auf ob der unerwarteten Bewegung und möglichen Hindernisses, doch binnen eines Wimpernschlages hatte er ihre Absicht verstanden.
Mit einer Hand hielt er weiter die Zügel, mit der anderen griff er im Vorberifahren den Krug, reckte ihn in die Höhe und leerte in einem Zug, ohne die Fahrt auch nur einen Tick zu verlangsamen.
Gerva sah ihm nach „Von hinten sieht er noch schnuckeliger aus.“ grinste sie und ging zurück in die Taverne.
Aus den Chroniken der Smaragdzwerge
1. Sillonfurter Schatzsuche - Zieleinlauf
Als Reddora die Hügelkuppe erreichte, kam Sillonfurt in Sicht. Freude und Dankbarkeit durchströmten sie und wischten die Müdigkeit weg. Die vergangenen Wochen waren anstrengend gewesen. Der Rucksack zog schwer an ihren Schultern, denn auch wenn der Proviant so gut wie aufgebraucht war, hatte sie die Schatzkiste darin verstauen müssen. Alle Versuche, die Kiste auf der kleinen Standfläche ihres Wagens sicher zu verzurren waren gescheitert, bei schnellerer Fahrt hatte sie sich immer aus der Verzurrung gelöst und war gefährlich herumgehüpft. Zweimal hätte sie die Kiste beinahe bei voller Fahrt verloren.
Hinab den Hügel ließ sie die Pferde etwas schneller traben, es war widersinnig, den Schwung, den der abfallende Weg mitgab, durch Bremsen zu verlieren. Als sich das rechte Rad mit dem nur allzu vertrauten Quietschen meldete, drosselte sie das Tempo wieder ein wenig. Seit einer Woche versuchte sie vergeblich, das Radlager mit Schmiere zu behandeln, da half wohl nur mehr ein Besuch beim Wagenmacher.
Als sie den Stadtrand erreichte, erscholl ein Horn, das ihre Ankunft verkündete und wenige Momente später erscholl ein zweites zur Bestätigung. Die Straßenränder waren mit Schaulustigen gefüllt, die Stadt hatte sich herausgeputzt, an vielen Orten hingen Wimpel und Girlanden. Der Wegposten, den sie vor zwei Stunden passiert hatte, musste Meldung über ihr Kommen gemacht haben, denn die Leute schienen eindeutig auf sie gewartet zu haben. Aufmunternde Rufe drangen zu ihr und viele der Zuschauer winkten ihr.
Sie genoss den Trubel, doch dann mahnte sie sich zur Disziplin, noch hatte sie das Ziel nicht erreicht, noch hatte sie nicht gewonnen. An der Kreuzung da vorne musste sie links abbiegen und dann waren es noch wenige hundert Meter bis zum Hauptplatz. Sie drosselte gerade das Tempo, um an der Kreuzung abzubiegen, als von rechts etwas Großes heranschoss. „Wer fährt mir denn da in die Parade, ist ja wohl nicht zu viel verlangt, die Straße für den Zielsprint der Schatzsuche freizuhalten!“ Dann gefror ihr das Blut in den Adern. Das zweite Horn! Es war keine Bestätigung gewesen. Es war die Meldung eines zweiten Teilnehmers gewesen! Und da war er auch schon, schwarz-rot gekleidet saß der Zwerg im Sattel des Kamels, das gerade an ihr vorüberschoss. Wie seltsam die Bewegungen des Tieres aussahen, so als würden sich seine Beine ständig ineinander verknoten und wieder entflechten, beinahe unnatürlich und doch war es so schnell wie ein Pferd in schnellem Trab.
„Sicher nicht!“ presste sie zwischen den Zähnen hervor und ließ die Zügel knallen. Die Pferde beschleunigten augenblicklich und der Wagen bog schneller um die Ecke als es gut war. Das linke Rad hob sich von Boden und Reddora hatte alle Hände voll damit zu tun, den Wagen vor dem Umkippen zu bewahren. Das rechte Rad meldete sich lautstark. Lauter als je zuvor. „Nein, nein, nein, nicht jetzt!“ schrie sie und blickte zum Rad hinunter, während sie stetig die Distanz zum Kamelreiter verkürzte. Das Rad blockierte zusehends, sie spürte es am ganzen Wagen. So würde sie ihn nie überholen.
„Dann ohne den Wagen!“ knirschte sie und kletterte über das vordere Ende des Wagens auf eins der Pferde. Diesen Teil hatte sie schon mal für eine Reitershow geübt, doch das Zuggeschirr lösen bei voller Fahrt, herrje, was hatte sie sich nur bei dieser Idee gedacht. Sie zog ihren Dolch, durchtrennte erste die Zügel, dann die hinteren Riemen und zuletzt die vorderen. Sie sandte in diesen Sekunden wohl hunderte Stoßgebete zum großen Schmiedegott, dass sich keines der losen Enden verheddern oder um eines der Pferdebeine wickeln möge. Oder das eingespannte Pferd mit dem Wagen stürzen würde! Wie durch ein Wunder lief alles glatt, einzig einer der abgetrennten Riemen hatte sie im Gesicht getroffen und ihre Wange brannte wie Feuer, aber das war völlig egal. Sie krallte sich in der Mähne des Pferdes fest und presste ihre Beine fest in seine Flanken, verlangte ihm die letzten Kraftreserven ab. Zentimeter für Zentimeter holte sie auf und hatte tatsächlich die Hoffnung, ihn einzuholen, doch dann war der Hauptplatz erreicht und der Unterweltwächter ritt durch ein quer über die Straße gespanntes Band, das wohl die Ziellinie markierte.
Nach all den Wochen der Schatzsuche, sollten diese paar Wimpernschläge den Ausschlag geben! Sch…..ade Marmelade.
Den Rest bekam sie nur mehr wie durch Nebel mit. Die Menge jubelte frenetisch ob des spannenden Herzschlagfinales, Ihr wurde vom Pferd geholfen, endlos viele Zuschauer klopften ihr auf den Rücken und gratulierten ihr. Am Ende stand sie neben Johann Silberhand als zweite auf der Tribüne und danach gings in den Dicken Dachs.
Aus den Chroniken der Smaragdzwerge
Hinab den Hügel ließ sie die Pferde etwas schneller traben, es war widersinnig, den Schwung, den der abfallende Weg mitgab, durch Bremsen zu verlieren. Als sich das rechte Rad mit dem nur allzu vertrauten Quietschen meldete, drosselte sie das Tempo wieder ein wenig. Seit einer Woche versuchte sie vergeblich, das Radlager mit Schmiere zu behandeln, da half wohl nur mehr ein Besuch beim Wagenmacher.
Als sie den Stadtrand erreichte, erscholl ein Horn, das ihre Ankunft verkündete und wenige Momente später erscholl ein zweites zur Bestätigung. Die Straßenränder waren mit Schaulustigen gefüllt, die Stadt hatte sich herausgeputzt, an vielen Orten hingen Wimpel und Girlanden. Der Wegposten, den sie vor zwei Stunden passiert hatte, musste Meldung über ihr Kommen gemacht haben, denn die Leute schienen eindeutig auf sie gewartet zu haben. Aufmunternde Rufe drangen zu ihr und viele der Zuschauer winkten ihr.
Sie genoss den Trubel, doch dann mahnte sie sich zur Disziplin, noch hatte sie das Ziel nicht erreicht, noch hatte sie nicht gewonnen. An der Kreuzung da vorne musste sie links abbiegen und dann waren es noch wenige hundert Meter bis zum Hauptplatz. Sie drosselte gerade das Tempo, um an der Kreuzung abzubiegen, als von rechts etwas Großes heranschoss. „Wer fährt mir denn da in die Parade, ist ja wohl nicht zu viel verlangt, die Straße für den Zielsprint der Schatzsuche freizuhalten!“ Dann gefror ihr das Blut in den Adern. Das zweite Horn! Es war keine Bestätigung gewesen. Es war die Meldung eines zweiten Teilnehmers gewesen! Und da war er auch schon, schwarz-rot gekleidet saß der Zwerg im Sattel des Kamels, das gerade an ihr vorüberschoss. Wie seltsam die Bewegungen des Tieres aussahen, so als würden sich seine Beine ständig ineinander verknoten und wieder entflechten, beinahe unnatürlich und doch war es so schnell wie ein Pferd in schnellem Trab.
„Sicher nicht!“ presste sie zwischen den Zähnen hervor und ließ die Zügel knallen. Die Pferde beschleunigten augenblicklich und der Wagen bog schneller um die Ecke als es gut war. Das linke Rad hob sich von Boden und Reddora hatte alle Hände voll damit zu tun, den Wagen vor dem Umkippen zu bewahren. Das rechte Rad meldete sich lautstark. Lauter als je zuvor. „Nein, nein, nein, nicht jetzt!“ schrie sie und blickte zum Rad hinunter, während sie stetig die Distanz zum Kamelreiter verkürzte. Das Rad blockierte zusehends, sie spürte es am ganzen Wagen. So würde sie ihn nie überholen.
„Dann ohne den Wagen!“ knirschte sie und kletterte über das vordere Ende des Wagens auf eins der Pferde. Diesen Teil hatte sie schon mal für eine Reitershow geübt, doch das Zuggeschirr lösen bei voller Fahrt, herrje, was hatte sie sich nur bei dieser Idee gedacht. Sie zog ihren Dolch, durchtrennte erste die Zügel, dann die hinteren Riemen und zuletzt die vorderen. Sie sandte in diesen Sekunden wohl hunderte Stoßgebete zum großen Schmiedegott, dass sich keines der losen Enden verheddern oder um eines der Pferdebeine wickeln möge. Oder das eingespannte Pferd mit dem Wagen stürzen würde! Wie durch ein Wunder lief alles glatt, einzig einer der abgetrennten Riemen hatte sie im Gesicht getroffen und ihre Wange brannte wie Feuer, aber das war völlig egal. Sie krallte sich in der Mähne des Pferdes fest und presste ihre Beine fest in seine Flanken, verlangte ihm die letzten Kraftreserven ab. Zentimeter für Zentimeter holte sie auf und hatte tatsächlich die Hoffnung, ihn einzuholen, doch dann war der Hauptplatz erreicht und der Unterweltwächter ritt durch ein quer über die Straße gespanntes Band, das wohl die Ziellinie markierte.
Nach all den Wochen der Schatzsuche, sollten diese paar Wimpernschläge den Ausschlag geben! Sch…..ade Marmelade.
Den Rest bekam sie nur mehr wie durch Nebel mit. Die Menge jubelte frenetisch ob des spannenden Herzschlagfinales, Ihr wurde vom Pferd geholfen, endlos viele Zuschauer klopften ihr auf den Rücken und gratulierten ihr. Am Ende stand sie neben Johann Silberhand als zweite auf der Tribüne und danach gings in den Dicken Dachs.
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